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Kliniken rekrutieren Fachkräfte zunehmend im Ausland

Pflegeheime und Pflegedienste haben schon seit längerem ihr Augenmerk auf das Ausland gerichtet, um qualifiziertes Pflegepersonal anzuwerben. Erst jüngst hat die Bundesregierung angekündigt, Fachpersonal von den Philippinen für die hiesigen Altenheime anzuwerben. Auch der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) bekräftigte sein Vorhaben, Pflegekräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, u.a. aus Indien und China, Spanien und Griechenland. Ob die verstärkte Einwanderung von Pflegern eine nachhaltige Lösung für den Fachkräftemangel in Deutschland ist, wird dabei vielfach kontrovers diskutiert.

Neben Pflegeheimen und Diensten suchen nun auch Krankenhäuser verstärkt im Ausland nach Pflegefachkräften. Aktuell wirbt Hessens größte Uni-Klinik, das Frankfurter Universitätsklinikum, gezielt Pflegekräfte aus den Euro-Krisenländern Portugal, Spanien und Griechenland an. Mit Erfolg: Bisher habe man nach Angaben von Pflegedirektor Martin Wilhelm von den anvisierten 120 bereits 80 Pflegerinnen und Pfleger nach Hessen lotsen können.

Der Grund ist offensichtlich, denn längst hat der Fachkräftemangel auch Kliniken getroffen. Nach Angaben der Deutschen Krankenhaus Gesellschaft (DKG) fehlen an Deutschlands Kliniken über 3.000 Pflegekräfte. Knapp 40 Prozent der Krankenhäuser hätten Probleme, offene Stellen im Pflegedienst zu besetzen. Und die Tendenz ist steigend: Im Vergleich zu 2009 hat sich der Anteil betroffener Kliniken mehr als verdoppelt. Damals lag er bei 16,2 Prozent. Am Frankfurter Universitätsklinikum ist man sich sicher, dass die oft schlechten Arbeitsbedingungen, die vergleichsweise geringe Bezahlung und die mangelnde Anerkennung pflegerischer Arbeit zu diesem Problem geführt haben.

Als Kritikpunkte bei der Anwerbung ausländischer Pflegekräfte werden zumeist die sprachliche Barriere oder die kulturellen Unterschiede angeführt. Klar ist, dass Kliniken bei der Personalbeschaffung im Ausland gewisse Risiken hinsichtlich der Integration einkalkulieren müssen. Gute Erfahrungen hat hierbei etwa die Klinik St. Hubertus im bayerischen Bad Wiessee gemacht: Seit Anfang des Jahres arbeiten rund 20 Pflegerinnen aus Spanien 30 Wochenstunden auf den Stationen und erhalten viermal wöchentlich je viereinhalb Stunden verpflichtend Sprachunterricht. Um die neuen Pflegekräfte am Arbeitsplatz richtig zu integrieren, setzt die Klinikleitung auf ein Patensystem. Jeder Spanierin ist eine deutsche Pflegekraft zugewiesen, die ihr bei beruflichen Problemen, aber auch privat zur Seite steht.

Ansätze zur Gewinnung und Bindung qualifizierter Mitarbeiter werden künftig zum kritischen Erfolgsfaktor. Die Zuwanderung von ausländischen Fachkräften –  wie es auch bei Ärzten etwa aus Ungarn der Fall ist – stellt dabei nur einen Baustein im Personalmanagement der Kliniken dar. Personalentwicklung, Personalmarketing sowie eine entsprechende Vergütung sind weitere Elemente, die es seitens der Personalverantwortlichen zu berücksichtigen gilt. Der hohe Prozentsatz an Krankenhäusern, die Probleme haben, offene Stellen zu besetzen, kann nicht allein durch die Zuwanderung von qualifiziertem Personal aus dem Ausland kompensiert werden.