Südeuropas Gesundheitssysteme auf Intensivstation

Im Zuge der europäischen Finanzkrise müssen vor allem die südeuropäischen Länder drastische Einsparungen vornehmen – insbesondere im Gesundheitswesen. Von Portugal verlangt die Europäische Union bspw. Einsparungen von 670 Millionen Euro allein im Gesundheitssystem. Griechenland darf sogar nicht mehr eigenständig über die Höhe der Gesundheitsausgaben entscheiden.

In der Konsequenz wurden in Spanien, Portugal und Griechenland in den vergangenen Jahren viele Gesundheitseinrichtungen geschlossen, die Krankenhausbetten reduziert oder der Eigenanteil für Medikamente erhöht. In Portugal etwa sind die Zuzahlungen auf Medikamente um über das Doppelte gestiegen. In Spanien wurde letztes Jahr im April ein neues Gesetz – unter Umgehung des Parlaments – durchgesetzt, das die vorherige universale Gesundheitsversorgung nunmehr vom Beschäftigtenstatus abhängig macht.

Eines der extremsten Beispiele ist Griechenland. In dem südeuropäischen Land mit dem höchsten Haushaltsdefizit (2012: 7,3 Prozent) fordert die EU-Kommission, dass die Staatsausgaben für die Gesundheit sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes nicht überschreiten dürfen. Ein Novum: Erstmals übernimmt eine überstaatliche Behörde die Kontrolle über das Gesundheitssystem einer einzelnen Nation – bislang war dies eine Angelegenheit der jeweiligen Regierung.

Die Folgen sind verheerend, denn mit sinkenden Staatseinnahmen bei steigender Arbeitslosigkeit, fällt der Gesundheitshaushalt ins Bodenlose. Anfang April schilderte eine Reportage in der Süddeutschen Zeitung einmal mehr die katastrophale Lage in Griechenland. Da aus Kostengründen die Notfallaufnahmen in den Kliniken nur noch an vier Tagen in der Woche geöffnet haben, müssen Patienten lange Wege und Wartezeiten in Kauf nehmen. Patienten müssen Medikamente, Verbandsmaterial, Scheren und Tupfer selbst mitbringen, da dies in den Krankenhäusern nicht mehr vorrätig ist. Daher werden Patienten in der Regel von den Angehörigen zu Hause gepflegt.

Auch die Agentur-Meldungen der vergangenen Tage sprechen eine eindeutige Sprache. So war bspw. zu lesen, dass zehntausende Spanier gegen Sparpolitik im Gesundheitssektor protestieren. In dem iberischen Krisenland mit einem Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent demonstrierten die Menschen in Madrid gegen die Sparpolitik im Gesundheitswesen – in erster Linie gegen die Pläne der Regionalregierung, die Verwaltung staatlicher Krankenhäuser privaten Unternehmen zu übertragen.

Die südeuropäischen Länder gehören zu den größten Schuldenmachern in der Euro-Zone. Die Schuldenkrise in Südeuropa scheint auch zunehmend für viele Hersteller ein Problem darzustellen, denn die Sparmaßnahmen spiegeln sich in den Geschäftsberichten insbesondere der Export treibenden Gesundheitsunternehmen wider, bei denen das Auslandsgeschäft eine bedeutende Rolle spielt. Ein prominentes Beispiel ist etwa der Medizintechnikhersteller Dräger, aber auch die Tochtergesellschaften von Paul Hartmann hatten im letzten Geschäftsjahr in Griechenland, Italien, Spanien und Portugal unter der Schuldenkrise zu leiden. Einen strategischen Ansatz zur Begegnung dieser Abhängigkeit liefert Siemens mit seinem Medizintechnikgeschäft. Künftig soll die Marktflaute mit billigeren Apparaten überstanden werden.