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Gemeinsamer Standard für elektronische Patientenakten

Die elektronische Gesundheitskarte (eGK) sollte bereits 2006 die Mitte der neunziger Jahre eingeführte Krankenversichertenkarte ablösen. Die Zielsetzung: Sie sollten die bisherigen Funktionen dieser Karte übernehmen und zusätzlich „telematische Anwendungen“ unterstützen, angefangen vom elektronischen Rezept bis hin zur elektronischen Patientenakte.

Doch infolge zahlreicher verlängerter Testphasen hat sich der vorgesehene Einführungstermin deutlich verschoben. Im Zuge des Projektes ist deutlich geworden, dass von den angedachten Anwendungen nicht viel übrig geblieben ist und die eGK zu einer (fast) ganz normalen Versichertenkarte mit Bild geschrumpft wurde. Derzeit stehen die folgenden zwei Anwendungen zur Verfügung: Die eGK zur Erfassung der Versichertenstammdaten und als Europäische Krankenversicherungskarte zur Behandlung im Ausland.

Bislang steht die eGK eben auch ohne elektronische Patientenakte da, deren Einführung besonders intensiv und kontrovers diskutiert wurde. Die elektronische Patientenakte sieht vor, sämtliche Gesundheitsdaten der gesetzlich Krankenversicherten auf einem zentralen Computer zu speichern. Dies soll etwa den Ärzten ermöglichen, die bisherige Krankengeschichte des Patienten einfach und schnell in Erfahrung zu bringen. Außerdem stehen Ergebnisse bisher erfolgter Untersuchungen zur Verfügung, um kostspielige und belastende Doppeluntersuchungen zu vermeiden. Allerdings werden elektronBVITGsche Patientenakten in Deutschland bisher nur punktuell in Kliniken und bei niedergelassene Ärzte und Zahnärzte genutzt. Ein Grund für die geringe Akzeptanz sind unterschiedliche Aktenformen und die damit verbundene Schnittstellenprobleme, die einen effizienten Informationsaustauch erschweren.

Nun soll eine neue Spezifikation den Nutzen dieser Akten deutlich erhöhen. Mit der Vorstellung der Spezifikation 2.0 der Elektronischen FallAkte (EFA) und des IHE-Cookbook soll jetzt der Einsatz übergreifende elektronischer Patientenakten in Deutschland vorangetrieben werden. Der Vorteil: Künftig können Anwender elektronische Akten unterschiedlicher Ausprägung nutzen, bei denen zukunftssichere Standards zum Einsatz kommen. Die Spezifikation ist das Ergebnis einer Kooperation von Anwendern, Herstellern und Informatikexperten. Beteiligt waren der Verein Elektronische Fallakte, Fraunhofer Fokus, IHE Deutschland und der Bundesverband Gesundheits-IT (BVITG). Neben der EFA wurden zwei andere Aktentypen bearbeitet, die auf derselben technischen Standard – IHE – beruhen: die Persönliche Elektronische Patientenakte (PEPA) und die einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakte (eEPA).  Der Industrieverband BVITG ist sich jedenfalls sicher, dass auch herstellerseitig dieser Schritt mehr Planbarkeit führt: „Der Einsatz internationaler Standards und die Tatsache, dass unterschiedliche in Deutschland übliche Aktentypen jetzt technisch kompatibel sind, werden dazu führen, dass Unternehmen sehr viel eher bereit sind, in entsprechende Module ihrer IT-Systeme zu investieren.

Auch wenn die Kritik an dem E-Health Projekt eGK nicht verstummt  – wie zuletzt beim Bundestreffen von „Stoppt-die-e-Card“ durch verschiedene Interessenvertreter erneut formuliert wurde – lassen sich bereichsübergreifende Prozesskosten im Gesundheitswesen nur senken, wenn sich diese an den verschiedenen Schnittstellen (Arzt, Klinik, Apotheke, sonstige Leistungserbringer) auch analysieren lassen. Eine gemeinsame technische Plattform ist daher ein Schritt in die richtige Richtung.